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Archive for Dezember 2009

Hab nicht den Zug genommen, bin zur (fast) richtigen Zeit und am (fast) richtigen Flughafen abgeflogen und bin deshalb – wenn auch mit vier Stunden Verspätung – Zuhause angekommen. Briten können nicht mit Schnee – falscher Aggregatzustand. Dafür haben sie „Killin in the Name“ zu Weihnachten auf Platz eins gebracht. Und da vergebe ich Wetteruntauglichkeit mit Kusshand.
Weihnachten. Wieder. Toll. Viel lernen. Hammer. Geht aber noch. Noch.
Der Lernplan ist für die Tonne: Hänge jetzt schon zwei Tage hinterher. Aber: Wenigstens habe ich einen Plan und weiß nachher, woran es gelegen hat. Ich hatte erfolgreich verdrängt, wie schwer ich mich mit Lernen tue. Nicht, weil es nicht in den Schädel geht, sondern weil ich so unglaublich ungnädig mit mir bin. Eben schlechte Laune verbreitet, weil ich heute nicht alle meine Topics geschafft habe. Das Schicksal meiner Eltern ist, dass sie mit mir eine unerträgliche Nervensäge an der Backe haben – und dass sie viel zu nett sind, um es laut zu sagen.
Letzte Woche hat mich ein Kommilitone gefragt: „Und Du wohnst bei Deinen Eltern, oder…?“ und ich hatte schon angesetzt: „Nein, nein, ich…“ … und dann (erst dann) kam es mir: Doch. Tue ich. Ignorant und arrogant, dass mir das jetzt erst kommt?! Bücher, Erinnerungen und Möbel stapeln sich im elterlichen Keller. Und jetzt das Seltsame: Völlig egal, ob ich aus Augsburg, München, London oder Birmingham getuckert komme – Zuhause bei MaPa ist immer gleich (und immer gut). Aber dass es jetzt wirklich nur noch Wohnheim und Wohnzimmer von MaPa gibt – das kam mir doch erst jetzt. Und gefragt haben sie mich auch schon, woher ich nächstes Jahr wohl zum Fest der Liebe Anreisen werde. Wenn ich das mal wüsste…
Letzte Woche gab es Christmas Dinner bei mir. Vorher schön gemeinsam mit Lucy, Ayaan und Rob im Aldi (jup, genau so wie Zuhause – die Struktur – deutsch an sich war nur der Pfefferkuchenhaus-Bausatz) und dann zu acht in der schmuddeligsten Küche Birminghams (vermutlich meine, wer eine schlimmere kennt, meldet sich gerne privat mal bei mir) ein fast richtiges Britisches Weihnachtsmahl gekocht. Lob an Ayaan, die Köchin des Abends! In den Party-Crackers zur Dekoration war ordnungsgemäß je ein schlechter Witz, irgendein Müll und ein Papierkrönchen. Tolle Sache! Diese Krönchen-Weihnachtstradition – und dass sich der Engländer auch hier keine Gelegenheit nehmen lässt, sich selbst lächerlich zu machen – liebe ich.
Weiteres Highlight (weniger weihnachtlich) war das Babyshambles Konzert in der O2 Academy (die sich besonders Freitagabend lohnt) und mein Erstaunen, dass ich nicht schon lange Pete Doherty Fan bin. Woran’s liegt, dass ich’s nicht schon war?!: An Vorurteilen. Daran. Ich lerne (für’s Leben und in der Uni) leider nur langsam. Pete ist super. Unterschätzt hatte ich: Auch, wenn die Musik Pogen nicht erfordert, ist das Männern von Anfang der 20er bis Mitte der 40er ziemlich egal. Mädchen mit Schläppchen an den Füßen hatten es in den ersten Reihen nicht leicht. Ich habe einfach mal mit gehüpft und mich des Lebens gefreut. Und jetzt – jetzt bin ich hier. Im Zimmerchen, dass irgendwie nicht mehr so ganz meins ist… Zwischenwelt. Wieso auch nicht?! Am 30. geht es nach Brum und am nächsten Tag einfach mal zu Silvester nach Cork/Irland. Gut, wenn sich die besten Freunde schöne und ungewöhnliche Lebensmittelpunkte suchen.
Also gut, wird morgen der Weihnachtsbaum geschmückt und gebetet, dass ich mit meinem Lernstoff durch komme, damit die Mundwinkelchen nicht wieder ein Eigenleben entwickeln. Ist aber auch umständlich mit mir.
Merry XMas everyone – ach, und noch was: Es wird schon!

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Erstaunliches Phänomen: Immer dann, wenn ich weg bin vom Schreibtisch, habe ich richtig Bock zu arbeiten. Funktioniert aber leider auch im Negativen.

Mitte Januar drei Examen und auch, wenn Marketing nun wirklich keine Rocket Science ist: Mein Hirn ist ein Sieb, leider ein sehr grobes. Ab morgen dann wirklich, wirklich, wirklich Revision. Wollte ja auch wirklich, wirklich, wirklich jetzt schon ins Bett gehen. Dann ist mir aber eingefallen, dass ich lieber den ganzen spaßigen Kram (wie z.B. Blog) aus dem Weg schaffen sollte, bevor ich mich dann morgen auf die Arbeit stürtze. Nachdem mein hübscher Laptop noch mal aus der Zwischenwelt zurück geholt worden ist, tummeln wir zwei beiden uns, wie frisch Verliebte, gerne an lauschigen Orten rum (wie facebook) und schlagen die Vernunft in den Wind. Das ist gefährlich. Aber wenn ich nichts nettes mehr zu tun habe, vielleicht klappt es dann ja mit der Konzentration.

Wobei die vielleicht gar nicht das Problem ist, denn man muss schon an etwas sitzen bleiben, wenn man sich voll konzentrieren will. Kann man nicht, wenn man zum Beispiel am Wochenende nach London fährt und von einer Zukunft träumt, die nur mit gutem Studium möglich sein wird.

Mission dieses Mal: Inspiration suchen und finden. Auch, wenn ich glaube, dass ich meine Inspiration zum großen Teil aus mir selber hole, war’s den Versuch wert.
Äußerst empfehlen kann ich dem naturliebenden Kunstliebhaber die EARTh Ausstellung in der Royal Academy of Arts. Auch, wenn in Zeichen von Kopenhagen ein Thema, das sich einer Gallerie fast aufdrängt will ich keines Falls Kreativitätslosigkeit vorwerfen. Großartig war’s! Wie wunderschön und gleichzeitig beizarr beklemmend ist zum Beispiel dieses Bild?!:

Tomas Saraceno
Endless Series, 2006

So ganz konnte ich mich zwischen Lächeln und Grübeln nicht entscheiden. Er hier – Lemn Sissay – hat mich beim ersten Mal mit seinem Gedicht ziemlich begeistert. Seine Körpersprache ist einfach der Hammer. Wenn man des Text nur ließt muss ich leider urteilen, dass es etwas cheesy und overdone ist… aber deswegen soll es ja auch nicht nur gelesen werden.

Und weil London einem nie natürliche Grenzen setzt, bin ich danach in Pop Life in der Tate gegangen. Erschreckend: Mir war ehrlich bei einigen Sachen nicht klar (ganz besonders nicht bei Keith Haring), dass es sich um Kunst handelt. Was weiß ich, was ich gedacht habe, aber in meiner Kindheit haben mich diese Männchen so sehr umgeben… an Kunst habe ich da auch 20 Jahre später nicht gedacht. Ich ignorantes Stück. Witzig waren Damien Hirsts Twins. Die Herren, die da saßen, als ich da war, sahen so verwirrt und verloren aus, dass ich einfach nur grinsend vor ihnen stehen bleiben musste. Na, gut war’s. Und auch hier wieder Ignoranz: Scheiß Kommerz! Kein Kunst ohne Kohle, das war mir schon klar. Aber das war noch mal in your face.

Danach belgisch gegessen, Zug verpasst, eingemietet in der letzten Kaschemme, ausgegangen bis nix mehr offen hatte, einem verwirrten jungen Mann dabei geholfen seinen Bus nach Paddington zu finden und nach drei Stunden Schlaf zurück nach Birmingham.

Großartig! Das machen wir bald noch mal. Und noch was gelernt: Die Welt ist zu klein. Meine amerikanische Nachbarin kennt den Herren, mit dem ich belgische Muscheln gegessen habe. Sie hat in einen Tag vor meinem Ausflug nach London bei ihrem Abstecher in die Stadt über Freunde kennengelernt. Das ist so bizarr, dass ich es sogar hier schreiben muss. Denn: Ich kann es immer noch nicht fassen.

Und damit: Ab ins Bett und ab Morgen wird gelernt, als ginge es um Alles…. was verdammt noch mal auch so ist…

Musikempfehlung des Tages: Graham Coxon – Latte

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Darf ich kurz was fragen? Nehmen wir mal an, Du hast einen Urlaub in die Karibik gebucht, aber es fährt Dich nur ein Bus nach Potsdam…

• Du hast Gin&Tonic bestellt und Du kriegst Bier (jajaja… aber: Es war der gute Ging!)

• Auf der Bühne hätten Placebo stehen sollen, aber irgendwoher sind Westlife aufgetaucht.

• Ganz sicher, Du hast ein blaues T-Shirt gekauft und zuhause findest Du in der Selfridges Tüte plötzlich ein grauer Pulli.

Was machst Du mit all diesen Dingen, die Du nicht haben wolltest?

• Das Beste, weil… mein Gott… jetzt ist es halt so?

• Rebellieren, denn Du willst, was Du… verdammt noch mal… willst?

• Auf’s neue Starten, denn auch, wenn Du keinen Aufstand machen willst… richtig ist das trotzdem nicht, dann muss Du halt selbst mit einer Lösung ran?!

Der Urlaub in Potsdam würde mich auf seine Art sicher erholen, das Bier mich betüdeln, Westlife macht auch (eine Art von) Musik und ein Pulli ist besser als ein zu kurzer Minirock. Aber eigentlich hasse ich Westlife! Und ich mag Gin (vor die Wahl gestellt) viel lieber als Bier. Deswegen habe ich es ja bestellt.

Ich kann mich nicht entscheiden, vor die Wahl gestellt, was ich mache – nicht in Potsdam, sondern in folgender Situation:

Stell Dir gemeinsam mit mir vor, dass Du an die Birmingham Business School gekommen bist, weil Du die Koryphäe im Strategic Brand Management als Professor Deines Vertiefungsfachs (hahaha… in einem einjährigen Master… hahaha) haben wolltest. Dafür hast Du Dich sogar entschlossen London in den Wind zu schlagen. Der Kurs ist im ersten Term so lala. Man lernt mehr social soft-skills, als irgendwas über Marketing. Aber egal, nächstes Semester gibt es ja Brand Management. Wird schon alles gut. Und vielleicht kannst Du Dir vorstellen, wie unangenehm das Gefühl war, als ich Anfang der Woche erfahren habe, dass der „berühmte Professor“ nicht unterrichten wird. Es habe zu viele Querelen mit ihm gegeben. Er ist weg. Von der Birmingham Business School.

Technisch gesehen sind die guten Gründe hier zu sein drastisch geschrumpft. Ich habe noch ein paar weniger Gute, die meine gute Laune hoch halten… Aber ich hätte auch ans King’s College gehen können. Wäre dann auch egal gewesen. Streng genommen kann ich nur mit Option 1 (das Beste draus machen – sowieso eine Philosophie, die ich häufiger verfolgen sollte) leben lernen. Aber eigentlich will ich die No. 3.
Es ist hinfällig viel Energie mit Nachdenken zu verbringen. Wenn ich mir nur nicht so verarscht vorkommen würde…

Was machst Du? Oder Jesus?

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