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Posts Tagged ‘Freunde’

Okay, ich kenne alle Hobbys, Lieblingsfilme, Bücher, öffentliche Gedanken, Umgangsformen, Jobs, Freunde, Freundinnen, Dates, Haustiere, Sportvereine und Weltansichten bevor es überhaupt die Chance gab all das in den ersten paar Gesprächen raus zu finden – ich bin ein facebook Stalker. Wird Small Talk für mich jetzt endgültig (Fluch oder Segen?) hinfällig bei allen neuen facebook-Freund, die es mit ihren persönlichen Daten nicht so genau nehmen? Und überhaupt?! Wo sind die Illusionen geblieben?!

Ganz im Ernst?! Der Gedanke hält mich nicht gerade wach, aber: Bevor man eine Chance hat nach dem Namen der Schwester zu fragen, hat man’s doch schon in einer social community gelesen. Im Zweifelsfall weiß man auch schon, wie sie, die Mama und der Garten aussehen. Kann man dann noch guten Gewissens nach sowas banalem wie Lieblingsfußballverein fragen, obwohl man’s wissen könnte? Oder knüpft man an die gewonnenen Einblicke nahtlos an? „Lausiges Spiel letzte Woche, was?“ (als ob ich’s ohnehin wüsste…). Die ersten wirklichen Unterhaltungen, die in vielen Fällen schon allein kulturgebunden Small Talk erfordert, ist für einen facebook Stalker wie mich nicht einfacher geworden. Kann mich doch auch irgendwie nicht gleich outen, dass ich in der Tat alle Fotos durchgeklickt habe… oder doch? Denn das zweite ist doch folgendes: Ja, ich meine nach ein paar Klicks zu wissen, wer ein Frauenheld oder eine Angeberin ist. Ziemlich genau sogar. Punkte auf der Vorurteil-Skala: astronomisch. Und nicht gerechtfertigt (naja… manchmal nicht…).

Funktioniert natürlich auch großartig anders rum: Gleicher Musikgeschmack? Gleiche „Hobbys“ (diese Frage hasse ich immer: Ich habe keine Hobbys! Ich mache Dinge gerne oder auch nicht und was ich gerne mache, das ändert sich leider ständig) oder momentane Interessen? Clever, witzig und spitz in Kommentaren? Facebook Romeo! Ich bin so oberflächlich! Facebook-Oberflächlich. Davon abgesehen, dass ich mein Studium wegen dieser Plattform nicht bestehen werde (zu viel Zeit dort verschwendet, die ich lesend hätte verbringen können), kann es sein, dass ich mich persönlichkeitsverrenne. Instant-Meinungen auf Knopfdruck. Funktioniert natürlich auch geschlechtsungebunden.

„Halt, halt“, rufen da die regelmäßigen Besucher meines Profils: „Wenn man Deine Bilder so ansieht, dann ist die Schublade aber auch schnell auf und wieder zu.“ Freunde! Richtig! Ich weiß ja. Das Schöne, wenn man als Deutsche unter Engländern ist: Die deutsche Sprache haben einige in der Schule gelernt. Aber das wird auch nach Ende der Schulbildung schnell wieder vergessen und – Schwupps – ist mein Profil ein Buch mit sieben Siegeln (die Fotos nicht, ja… richtig… müssten Einstellungen endlich mal ran und dieses Getagge verhindern…). Das ist auch so ein Ding: Ich müsste (das gebietet die Höflichkeit bei allen Unterhaltung) doch in die Sprache wechseln, die die Mehrheit meiner Kontaktpersonen versteht. Mache ich aber nicht. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch? Und ob ich jetzt trotzdem noch nach den weltpolitischen Ansichten fragen darf?

P.S.: Besonders gerne stalke ich die facebook-Seiten meiner asiatischen Mitstudenten. Danach hab ich wenigstens noch Ideen für Small Talk. Mein Mandarin muss für alles andere einfach besser werden. Über Weltpolitik will ich aber lieber erst nach dem dritten Treffen diskutieren.

P.P.S.: Und nun noch ein Lied, in der Hoffnung, dass ein paar Seelen da draußen den momentanen Beigeschmack meiner generellen Musikausrichtung nachvollziehen und mich in die „richtige“ Schublade stecken können:

Jamie Cullum – Don’t stop the music

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